Foto des Jahres

Dezember 2016

Europa darf sich nicht verschließen

Jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Unsicherheit und Verfolgung in ihren Heimatländern nach Europa zu gelangen. Auf der gefährlichen Reise über Nordafrika und das Mittelmeer verlieren dabei unzählige ihr Leben…

Seit Anfang dieses Jahres sind mindestens 4.813 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen (Stand: 16. Dezember 2016). Trotz der schockierend hohen Zahlen von Menschen, die im zentralen Mittelmeer ihr Leben verloren haben, bestand die Reaktion der EU vor allem darin, den Schleppern den Krieg zu erklären und Abschreckungsmaßnahmen und Abschottung zu forcieren, statt gezielt Leben zu retten und sichere Fluchtwege nach Europa zu schaffen. Das hat dazu geführt, dass Schlepper nun noch gefährlichere Methoden anwenden, um Grenzkontrollen zu umgehen, was noch mehr Menschen das Leben kostet. Innerhalb Europas konnten die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nach der Schließung der Balkanroute im Frühjahr 2016 einen Dominoeffekt beobachten: Jedes Mal, wenn eine Grenze geschlossen wurde, strandeten Tausende im Niemandsland, mit wenig oder ohne jede humanitäre Hilfe. Die Aufnahmekapazitäten und der Zugang zum Asylverfahren sind jedoch vielerorts völlig unzureichend.

Text: „Ärzte ohne Grenzen“, Foto: Christof Plautz

Foto des Monats

April 2016

Sarah Connor

Sängerin Sarah Connor hat eine syrische Flüchtlingsfamilie in ihrem Haus aufgenommen. Sie hat das Jugendamt angeschrieben und angeboten, einem Kind oder einer Familie aus Syrien zu helfen. Sie habe sich anonym gemeldet, sagt sie, weil sie mit der Geschichte eigentlich nicht an die Öffentlichkeit wollte… Inzwischen funktioniere das Zusammenleben aber problemlos. Die Kinder spielten im Garten miteinander, die Verständigung klappe „mit Händen und Füßen“ oder mit der Hilfe einer Übersetzungs-App auf dem Smartphone. Selbst die Mutter, die am Anfang sehr traumatisiert schien und immer noch „jeden Abend weint“, habe sich etwas geöffnet. Sarah Connor will nicht als Vorbild bezeichnet werden… Aber sie könne nicht so tun, als wüsste sie nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen. „Ich kann verstehen, dass nicht jeder Flüchtlinge bei sich aufnehmen kann oder will“, schreibt sie. Es gebe allerdings etwas, was jeder Mensch geben könne, ohne fürchten zu müssen, dass ihm etwas weggenommen werde: „Ein bisschen Wärme, Nähe, Trost und Liebe“.

Text: Süddeutsche Zeitung, Foto: Christof Plautz